Störungsfreie Datentransfers ohne Schnittstellen durch BO4E

Ein störungsfreier Datentransfer ohne Schnittstellen, das ist das Ziel der Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft. Erreicht werden soll dies durch einen einheitlichen Kommunikationsstandard, den "Business Objects for Energy (BO4E)". Erste Module wurden mittlerweile veröffentlicht.

Die Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft e.V. treibt den Kommunikationsstandard „Business Objects for Energy (BO4E)“ weiter voran. Im Juli 2016 von elf Unternehmen gegründet, ist die Interessengemeinschaft mittlerweile auf 15 Mitglieder angewachsen. Sie haben sich die Entwicklung und Verbreitung einer neuen Norm in der Informationstechnologie zum Ziel gesetzt: ein Regelwerk in Form von Geschäftsobjekten für die Energiewirtschaft (Business Objects for Energy). Sie sollen den Datenfluss innerhalb eines Versorgungsunternehmens vereinfachen, beschleunigen und kostengünstiger gestalten.

Apps verstehen sich auf Anhieb

Geschäftsobjekte für die Energiewirtschaft repräsentieren einen einheitlichen Sprachkodex, nach dem Software-Applikationen (Apps) für unterschiedliche Anwendungen in einem Energieunternehmen agieren. In Zukunft sollen alle Apps die einheitliche Sprache BO4E sprechen. „Damit verstehen sie sich auf Anhieb, brauchen keine verbindenden Schnittstellen mehr und tauschen Informationen sicher und reibungslos untereinander aus“, erläutert Peter Martin Schroer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft.

Angesichts der unaufhaltsamen Digitalisierung der Branche und des Anwachsens von Big Data bedeuten störungsfreie Datentransfers, dass ein Unternehmen seine Informationsflut deutlich effizienter und intelligenter als bisher handhaben kann: Kommunikationsbarrieren zwischen den verschiedenen Software-Applikationen entfallen. Apps unterschiedlicher Hersteller können beliebig kombiniert werden. Es gibt keine Inkompatibilitäten beziehungsweise Systemgrenzen mehr. Kosten- und zeitaufwändige Programmierarbeiten, wie sie bis dato für individuelle Schnittstellen gang und gäbe sind, werden überflüssig. An deren Stelle tritt eine höchst mögliche Freiheit in Bezug auf die Gestaltung einer unternehmensinternen IT-Landschaft.

Schroer, IG BO4E
Peter Martin Schroer: Wer mit komplexen Daten besonders gekonnt umzugehen vermag, wird im Wettbewerb die Nase vorn haben.

Neue Perspektiven bei der Softwarenutzung

„Wir wollen in der Datenkommunikation Grenzen sprengen, Silodenken auflösen und neue Horizonte öffnen“, bringt es Schroer auf den Punkt. Das soll den Energieversorgern ganz neue Perspektiven bei ihrer Softwarenutzung aufzeigen und das Marktgeschehen insgesamt auf die Anforderungen einer Industrie 4.0 respektive Energie 4.0 solide vorbereiten.

„Wer mit komplexen Daten besonders gekonnt umzugehen vermag, wird im Wettbewerb die Nase vorn haben“, ist Schroer überzeugt. Er erwartet deshalb auch, dass schon bald Strom-, Gas-, Wasserversorger und weitere kommunale Dienstleister Mitglied bei der Interessengemeinschaft werden, denn „diese profitieren von der BO4E-Idee am meisten.“

Doch auch die bisherigen Mitglieder, meist Softwareunternehmen, verbinden mit dem neuen Kommunikationsstandard große Vorteile: Statt sich immer wieder mit Schnittstellenproblematiken zu befassen, können sie sich auf ihr Kerngeschäft, die Programmierung der erforderlichen energiewirtschaftlichen Fachlichkeit, konzentrieren.

Ersten neun Geschäftsobjekte veröffentlicht

Um alle wichtigen innerbetrieblichen Bereiche in der Datenkommunikation abzudecken, ist die Entwicklung von Business Objects in einer höheren zweistelligen Größenordnung erforderlich: 80 oder 90 Standards werden zunächst reichen, schätzt die Interessengemeinschaft, um abteilungsübergreifende Datentransfers ohne Schnittstellen zu ermöglichen.

Da der Energiemarkt dynamisch wächst, könne es jedoch keinen absoluten Endwert der Geschäftsobjekte geben: „Entwickelt ein Versorgungsunternehmen zum Beispiel einen neuen smarten Service, induziert dies automatisch die Entwicklung weiterer Business Objects.“

Bis heute haben die Vereinsmitglieder insgesamt neun Geschäftsobjekte entwickelt und in einem ersten BO-Standardwerk veröffentlicht. Zu diesen Basis-BO zählen Normen für anzulegende Datensätze wie für ein „Angebot“ oder einen „Marktteilnehmer“, für einen „Ansprechpartner“ oder eine „Marktlokation“.

Aus Vorstellung wird Realität

„Nach eineinhalb Jahren der Planung, Organisation und Programmierung sind wir jetzt so weit, unseren Marktpartnern erste konkret ausgearbeitete Standardgerüste zur Verfügung stellen zu können“, freut sich Schroer: „Damit werden Geschäftsobjekte für die Energiewirtschaft jetzt auch greifbar.“

Die Mitglieder gehen davon aus, dass die Entwicklung der weiteren Business Objects nun zügiger voranschreiten wird als in den Monaten nach Vereinsgründung, denn die Basisstrukturen in Form leistungsfähiger Arbeitsgruppen wurden bereits gebildet. Weitere Arbeitsgruppen kommen hinzu und werden an der BO-Entwicklung intensiv mitwirken. „Je mehr Mitglieder wir gewinnen, desto schneller kann sich unser Kommunikationsstandard entwickeln“, beschreibt Schroer ein Grundprinzip bei der Interessengemeinschaft: „Unsere Förderer sind ausnahmslos aktive Mitglieder, die für unser Ziel eigene Ressourcen zur Verfügung stellen. Wir freuen uns über jeden weiteren Interessenten, der hilft, die zukunftsfähige BO-Idee zu formen und umzusetzen.“

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