Bundesweite Messkampagne für die effiziente Nutzung von Biogas

Die Universität Hohenheim will die Effizienz von Biogas erhöhen. In einem Forschungsprojekt werden drei Jahre lang Betriebsweise, Ausbeute und Verluste bestehender Biogasanlagen analysiert und Verbesserungsvorschläge formuliert.

Biogas, FNR
Der Mix macht’s: Je nachdem, mit welchen Materialien eine Biogasanlage gefüttert, durchmischt und gefahren wird, fällt die Ausbeute an Biogas sehr unterschiedlich aus. (Quelle: FNR/Dörthe Hagenguth)

Rund 29.000 Gigawattstunden Strom haben die gut 8.000 in Deutschland betriebenen Biogasanlagen im Jahr 2014 erzeugt. Das waren rund 5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Da jedoch zurzeit kaum noch neue Anlagen gebaut werden, konzentriert sich die Universität Hohenheim in einem Forschungsprojekt auf die Optimierung bestehender Anlagen. „Das Potenzial bestehender Anlagen ist noch längst nicht ausgereizt“, erklärt Hans Oechsner von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim. „Unser Projekt soll vorbildliche Betriebsweisen identifizieren, über die sich die Effizienz erhöhen lässt, damit sich ihr Betrieb weiterhin lohnt.“

Drei Jahre lang vergleicht die Universität Hohenheim Betriebsweise, Ausbeute und Verluste von Biogasanlagen, identifiziert Best-Practice-Beispiele, entwickelt Standards zur Anlagenbeschreibung und formuliert Verbesserungsvorschläge für Praxis und Politik. Dazu legt die Universität eine Messkampagne auf. Darin untersucht sie im Verbund mit drei Projektpartnern bundesweit anhand einer Stichprobe von insgesamt 60 Biogasanlagen, wie wirtschaftlich und ökologisch sie arbeiten.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Vorhaben mit 344.000 Euro über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Biogas-Standards weiterentwickeln

Die bestehenden Biogasanlagen sind zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut. „Wir haben verschiedene Ausgangsstoffe der Biogassubstrate, außerdem variieren Mischungsverhältnis und Durchmischung der Stoffe sowie Druck und Temperatur in den Biogasreaktoren“, so Oechsner. Die Forscher prüfen, welche Technik die Anlagen nutzen und wie effizient sie arbeiten. Mit einigen Stellschrauben ließe sich ihr Betrieb verändern und optimieren. „Wir finden heraus, welche Anlagen bei der Gasausbeute in Menge und Qualität vorne liegen.“

Effizienzpotenziale ermitteln

Die Wissenschaftler der Universität Hohenheim ermitteln für jede Anlage, wie die Substrate zusammengesetzt sind, welche Gas- und Strommenge produziert wird und an welchen Aggregaten Gasverluste auftreten.

„Darüber hinaus berechnen wir mit Modellrechnungen, wie weit die produzierte Gas- und Strommenge und die aus dem Input-Substrat theoretisch zu produzierenden Mengen auseinanderliegen“, erläutert Benedikt Hülsemann, ebenfalls von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim. „Daraus ergibt sich, wie wirtschaftlich und ökologisch effizient die Anlagen arbeiten.“ Schließlich werden die Daten aller Biogasanlagen verglichen, um besonders wirtschaftliche Anlagen zu ermitteln.

Forschungsergebnisse fließen direkt in Praxis ein

Im Rahmen des Projekts entwickeln die Wissenschaftler einheitliche Standards, um den Zustand von Biogasanlagen besser beschreiben zu können. Zwischenergebnisse und Verbesserungsmöglichkeiten präsentieren sie bei mehreren Tagungen, damit die Betreiber sie unmittelbar in der Praxis umsetzen können. Es ist außerdem eine Broschüre und eine Internetplattform mit den Daten vorgesehen.

Auch für die Politik entwickeln die Biogasforscher konkrete Vorschläge. „Wir möchten neue Standards formulieren, damit sich die Branche insgesamt weiterentwickeln kann“, so Oechsner.

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