Studie: Blockchain ist keine disruptive Technologie

Die Blockchain ist keine disruptive Technologie für den Peer-to-Peer-Stromhandel. Sie bietet vielmehr interessante Möglichkeiten, die Finanzierung der Erneuerbaren effizienter zu gestalten, so eine aktuelle ewi-Studie.

Die Diskussionen über die Blockchain-Technologie zeichneten düstere Szenarien für die Energiewirtschaft in Deutschland. Sie hat jedoch aktuell kein disruptives Potenzial im Peer-to-Peer-Handel von Strom zwischen Prosumenten und Konsumenten, so die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des Forschungsinstituts ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S).

Laut Studie stehen Plattformen für Peer-to-Peer-Stromhandel zum Beispiel mit der Blockchain-Technologie keinen organisatorischen oder regulatorischen Hürden gegenüber. Allerdings behindern Steuern und Umlagen auf Endverbraucherpreise die wirtschaftliche Anwendung von Peer-to-Peer-Transaktionen. Zusätzliche Kosten für die technologisch bedingte Dezentralität würden öffentliche Blockchain-Plattformen zusätzlich benachteiligen.

Peer-to-Peer-Stromhandel mit bestehendem System vereinbar

Grundsätzlich ist der Peer-to-Peer-Stromhandel auch mit den bestehenden Strukturen und Regularien des Stromsystems vereinbar, so die Autoren der Studie. Dies gilt vor allem dann, wenn sich die Nutzung auf Erstanwender beschränkt. Peer-to-Peer-Stromhandel zwischen Haushalten verlagert das Erfüllungsrisiko der Transaktionen meist auf die Energieversorger der Haushalte. Diese müssen dadurch zusätzliche Kosten übernehmen, können sie aber durch Anpassung der Verträge mit den Haushalten an die Peer-to-Peer-Nutzer weitergeben.

Allerdings ist das aktuelle Stromsystem nicht für große Peer-to-Peer-Strommengen ausgelegt, betonen die Autoren der Studie. So ist für einen größeren Einsatz von Peer-to-Peer-Stromhandel eine neue Form des Informationsaustauschs zwischen Netzbetreibern und Peer-to-Peer-Nutzern notwendig. Diese Begrenzung würde wegfallen, wenn statt elektrischer Energie Zertifikate gehandelt würden.

Blockchain kann heterogene Eigenschaften elektrischer Energie berücksichtigen

Elektrische Energie wird bisher meist physikalisch korrekt als homogenes Wirtschaftsgut betrachtet. Zunehmendes Umweltbewusstsein führt jedoch dazu, dass elektrische Energie heute auch als heterogenes Wirtschaftsgut verstanden wird. Beispiele hierfür sind grüner Strom, regionaler Strom. Peer-to-Peer-Stromhandel kann solche heterogenen Eigenschaften einbeziehen. Dies legt den individuellen Nutzen und damit auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden für solche Eigenschaften offen.

Diese Informationen könnten laut Studienautoren die Finanzierung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien effizienter gestalten und Innovationen in der Branche fördern. Energiepolitik, Regulierung und die Struktur des Versorgungssystems sollten also Peer-to-Peer-Plattformen ermöglichen und anwenden, um Effizienzpotenziale in Versorgungssystem und Energiepolitik zu heben, so das Fazit der Studie.

LINKewi ER&S
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