Wintereinbruch treibt Erdgasspeicher zu Höchstleistungen

Mit dem erneuten Wintereinbruch steht in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten die Gasversorgungssicherheit einmal mehr im Fokus. Italien ruft vorsorglich die Frühwarnstufe aus. Frankreich schließt die Einführung einer Speicherregulierung ab.

Erdgasspeicher Nüttermoor, EWE
In Deutschland wird schon heute die Hälfte des nationalen Tagesbedarfs an Erdgas durch Gasspeicher gedeckt. Umso wichtiger ist es, dass auch zum Ende eines Winters ausreichend Speicherfüllstände sichergestellt sind. (Quelle: EWE)

Infolge des Wintereinbruchs Ende Februar 2018 wurden erhebliche Gasmengen aus deutschen Speichern bereitgestellt. So wurden durchschnittlich 2300 Gigawattstunden je Tag entnommen. In der Spitze sicherten die Gasspeicher sogar mit 2700Gigawattstunden täglich die Versorgung ab. „Der Wintereinbruch konnte durch ausreichende Speicherfüllstände bewältigt werden“, betont Bernd Protze, Vorstandsvorsitzender der Initiative Erdgasspeicher e. V. (Ines). „Wir haben jedoch in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass vor allem zum Ende eines Winters ausreichende Speicherfüllstände sichergestellt sein sollten.“

Marktbasiertes Regulierungssystem für Erdgasspeicher

Nicht nur in Deutschland wurde der Wintereinbruch genau beobachtet. In Italien wurde bereits die Frühwarnstufe aus Sorge vor einem Gasmangel ausgerufen. Auch Frankreich hat Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit ergriffen. Anfang 2018 wurde die Entscheidung umgesetzt, Gasspeicher in ein marktbasiertes Regulierungssystem zu überführen, das eine ausreichende Buchung und Befüllung der Speicher gewährleisten soll.

»Eine gut ausgebaute Infrastruktur braucht vernünftige Rahmenbedingungen, um diese Aufgabe auch in Zukunft verlässlich erfüllen zu können«, betont Ines-Vorstand Alain Caracatzanis. »Im Bereich der L-Gas-Versorgung ist die Situation eindeutig. Nach der Ankündigung von deutlichen Kürzungen der Gasproduktion in den Niederlanden sollten wir endlich eine Sicherheitsreserve einrichten«, fordert Peter Schmidt, stellvertretender Ines-Vorstandsvorsitzender.

Anreize im Gasmarktmodell setzen

Aber auch bei der H-Gas-Versorgung dürfe es keine Tabus mehr geben. »Die Erdgasproduktion in Kontinentaleuropa wird zurückgehen. Umso wichtiger ist der Beitrag, den Gasspeicher für eine sichere Versorgung leisten. In Deutschland wird schon heute die Hälfte des nationalen Tagesbedarfs an Erdgas durch Gasspeicher gedeckt. Die neue Bundesregierung sollte daher dringend im Gasmarktmodell Anreize dafür setzen, dass die Speicherunternehmen ihren Beitrag zur sicheren Gasversorgung sowie zur Optimierung der Netzauslastung auch fair vergütet bekommen«, fordert Ines-Vorstand Michael Schmöltzer.