Vom Kurzschlussanzeiger zum Mini-Scada-System

Netzinformationen werden für Energieversorger immer wichtiger. Aus diesem Grund setzen die Stadtwerke Heiligenhaus auf einen flächendeckenden Einsatz moderner Fernmeldetechnik gekoppelt mit einem Cloud-Service. Grundlage ist der kombinierte Kurz- und Erdschlussrichtungsanzeiger ComPass B der Horstmann GmbH.

Die Stadtwerke Heiligenhaus gehören zu 100 Prozent der Stadt Heiligenhaus und sind seit dem 1. Januar 2016 auch für das Stromnetz der Stadt verantwortlich. Ein sicherer und stabiler Netzbetrieb ist für die Stadtwerke Heiligenhaus von großer Bedeutung. »Kundenzufriedenheit steht an oberster Stelle«, so Sylvia Bienert, technische Bereichsleiterin der Stadtwerke Heiligenhaus.

Nach der Übernahme des Stromnetzes haben die Stadtwerke Heiligenhaus einen Investitionsplan zum Austausch der in die Jahre gekommenen Ortsnetzstationen entwickelt. »Bis heute haben wir rund 20 Prozent der insgesamt 180 Ortsnetzstationen getauscht. In den kommenden Jahren werden weitere Stationen folgen«, betont Bienert.

Für einen sicheren Netzbetrieb und eine genaue Netzplanung werden Netzdaten aus dem Ortsnetz immer wichtiger. Dafür setzen die Stadtwerke Heiligenhaus auf die Systemlösung der Horstmann GmbH. Damit ist eine kontinuierliche Überwachung des Mittel- und Niederspannungsnetzes möglich. Um Netzdaten aus dem Mittelspannungsnetz zu erhalten, entschieden sich die Stadtwerke Heiligenhaus, alle Stationen mit Kurz- und Erdschlussrichtungsanzeigern auszustatten, die gleichzeitig das Monitoring des Mittelspannungsnetzes ermöglichen. In Zusammenarbeit mit der Horstmann GmbH entwickelte das Unternehmen einen Standard für die neuen Ortsnetzstationen und entschloss sich für den Einsatz des kombinierten Kurz- und Erdschlussrichtungsanzeigers für Mittelspannungsnetze ComPass B.

Im Fehlerfall können so Fehlerstellen schnell und mit geringem zusätzlichen Aufwand eingegrenzt werden. Das spart Zeit und Kosten bei der Fehlersuche. Im Normalbetrieb liefert der ComPass B wichtige Netzdaten wie Ströme, Spannungen und Leistungen. Diese Daten werden über eine RS485-Schnittstelle bereitgestellt. So können sie sowohl an eine zentrale Leitstelle übermittelt als auch für die Ablesung am lokalen OLED-Display genutzt werden. »Die ermittelten Netzdaten sind für unsere Netzplanung von enormer Bedeutung. Sie helfen uns, das Netz für einen stabilen und sicheren Betrieb auszulegen«, beschreibt Thorsten Sennhenn, der für die Netzplanung bei den Stadtwerken Heiligenhaus verantwortlich ist, die Vorteile des Systems.

Netzinformationen über die iHost-Cloud

Zur Fernmeldung der Fehler und Netzdaten haben sich die Stadtwerke Heiligenhaus für eine Gesamtlösung der Horstmann GmbH entschieden. Der Reporter 4.0 bietet in Kombination mit der iHost-Cloud die Möglichkeit, Daten einfach und mit wenig Aufwand zu übertragen. Die Daten werden über das Mobilfunknetz an iHost gesendet. Von dort lassen sich die Netzinformationen mit jedem internetfähigen Endgerät wie Laptop, Tablet oder Smartphone abrufen (Bild 1). So können sich die Mitarbeiter schnell und überall in das System einloggen und haben so jederzeit einen Überblick über das Ortsnetz. Im Fehlerfall werden umgehend Benachrichtigungen per E-Mail oder SMS versendet, sodass sich die Fehlerstelle schnell eingrenzen lässt. Das Entstörpersonal kann dadurch zielgerichtet an den jeweiligen Fehlerort geführt und der Fehler schnell behoben werden.

Horstmann, iHost
Bild 1. iHost-Fernmeldelösung für Verteilnetzbetreiber (Quelle: Horstmann GmbH)

Für die Netzplanung stehen in iHost-Cloud historische Werte ab dem Zeitpunkt der Erstinstallation zur Verfügung. Diese Werte können über die Trendfunktion grafisch aufbereitet werden, was die Vergleichbarkeit und Auswertung deutlich komfortabler und einfacher gestaltet. Das besondere an der Lösung: Außer den Netzinformationen aus der Mittelspannung werden auch Ströme, Spannungen und Leistungen aus der Niederspannung angezeichnet und übertragen. »Damit haben wir zu jeder Zeit eine aussagefähige Übersicht über unser Stromnetz und genügend Informationen für eine zielgerichtete Netzplanung«, betont Bienert.

Künftig sollen alle neuen Ortsnetzstationen mit dem Reporter 4.0 ausgestattet werden, sodass das Stromnetz für die Stadtwerke Heiligenhaus nach und nach immer transparenter wird. Dazu werden die Stadtwerke Heiligenhaus auch in Zukunft eng mit der Horstmann GmbH zusammenarbeiten. »Die gute Zusammenarbeit und die Flexibilität der Horstmann GmbH schätzen wir sehr«, erläutert der zuständige Netzmeister Ernst Fischer.

Fazit

Durch die schnelle und einfache Installation des gesamten Systems und der einzelnen Komponenten ist es den Stadtwerken Heiligenhaus gelungen, das Ortsnetz transparenter zu gestalten. Im Fehlerfall können die Mitarbeiter gezielt, effizient und ressourcenschonend geleitet werden. Für die Netzplanung stehen die wichtigsten Netzdaten aus der Mittel- und Niederspannungsebene zur Verfügung und können unter anderem für Simulationen herangezogen werden. »Mit der Systemlösung der Horstmann GmbH können wir der Zukunft und den steigenden Anforderungen an das Verteilnetz zuversichtlich und entspannt entgegensehen«, resümiert Bienert.

Gastbeitrag aus ew 6/2018

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