PwC-Studie: Finanzkraft deutscher Energieversorger steigt

Energieversorger durchlaufen seit Jahren einen schwierigen Transformationsprozess. Und der zahlt sich aus, wie eine aktuelle PwC-Studie zeigt. So stabilisieren die Unternehmen ihre Gewinnmarge, die Eigenkapitalquote steigt und die Finanzierungsfähigkeit verbessert sich tendenziell.

Seit dem Jahr 2014 untersucht die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) die Finanzkraft deutscher Energieversorger. Für die nun vorliegende fünfte Analyse nahm PwC 300 kommunale EVU sowie 75 kommunale Muttergesellschaften unter die Lupe.

Maßnahmen wirken

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Bewertung der Ertragslage ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (EBITDA). Im Jahr 2016 lag die EBITDA-Marge im Durchschnitt bei 14,7 Prozent. Für 2017 zeichnet sich ein EBITDA-Median von 14,8 Prozent ab. Beide Werte sind etwas niedriger als 2015 (15,0 Prozent), doch höher als 2011 bis 2014 (14,1 bis 13,6 Prozent).

„Seit Jahren leiden die EVU unter den Folgen der Energiewende. Die deshalb eingeleiteten Restrukturierungen wirken jetzt positiv“, bewertet Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC, das Ergebnis. „Die vorausgesagte Finanzkrise der EVU ist aus den vorliegenden Zahlen nicht ableitbar.“

Deutlich abzugrenzen von den EVU seien hingegen die Finanzverhältnisse vieler kommunaler Konzerne, in denen die Versorgung, aber auch weitere kommunale Aufgaben gebündelt sind. Die stabilere Ergebnissituation der EVU wirke sich aber auch hier positiv auf die kommunalen Muttergesellschaften aus, die damit andere Aktivitäten wie den Öffentlichen Personennahverkehr subventionieren.

Wieder mehr Eigenkapital verfügbar

Auch die Eigenkapitalquote vieler Unternehmen entwickelt sich wieder positiv. Das ist wichtig, weil sie ein wesentliches Prüfkriterium für Banken und andere Fremdkapitalgeber ist.

Lag die Eigenkapitalquote zwischen 2011 bis 2015 im Durchschnitt zwischen 33,9 und 34,4 Prozent (bei einem Tiefpunkt von 33,2 Prozent im Jahr 2013), stieg sie 2016 auf 35,4 Prozent. Im Jahr 2017 könnte sie weiter steigen: auf 35,6 Prozent. „Dieser Aufwärtstrend ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen inzwischen einen Teil ihrer Überschüsse zurückbehalten oder von ihren Gesellschaftern zusätzlich mit Eigenkapital ausgestattet werden, statt wie früher mit 100-Prozent-Finanzierungen zu arbeiten“, sagt PwC-Partner Bernd Papenstein, Leiter Infrastructure Advisory.  Sie wirken damit den negativen Bilanzeffekten entgegen, die aus allein fremdfinanziertem Wachstum resultieren.

Ein Treiber der Eigenkapitalquote ist die tendenziell etwas sinkende, aber weiterhin branchenüblich hohe Ausschüttungsquote. Je höher diese Quote ist, desto weniger Spielraum hat ein EVU, die selbst erwirtschaftete Liquidität im eigenen Unternehmen zu reinvestieren. Im Jahr 2016 lag sie im Durchschnitt bei 88,7 Prozent. Das war der niedrigste Wert seit 2011. Für 2017 signalisieren die bislang vorliegenden Datensätze wieder einen leichten Anstieg.

Beim Verschuldungsgrad oft besser als die Muttergesellschaft

Ebenfalls weiter stabilisiert hat sich der dynamische Verschuldungsgrad. Diese Kennzahl entspricht dem Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum EBITDA und dient Fremdkapitalgebern, um die Schuldentragfähigkeit von Kreditnehmern zu beurteilen. Nach einem deutlichen Anstieg des Verschuldungsgrads zwischen 2009 und 2012 von 1,8 auf 2,3 stagniert die Entwicklung seit 2013. Im Jahr 2016 lag sie im Mittel bei 2,3. Im Jahr 2017 könnte der Verschuldungsgrad auf 2,2 sinken.

„In vielen Fällen stellen wir fest, dass die Versorger, isoliert betrachtet, finanziell besser aufgestellt sind als der kommunale Konzern“, so Papenstein. „Schlechtere Ergebnisse in versorgungsfremden Sparten und der notwendige Kapitalbedarf zur Umsetzung kommunaler Projekte, beispielsweise im Rahmen der Verkehrswende, haben weitreichende Folgen für die Finanzlage. Hier sind maßgeschneiderte, langfristig tragfähige Finanzierungslösungen gefragt.“

Zufriedenstellende Grundbonität und Liquiditätspotenziale

Auch Liquiditätskennzahlen werden immer wichtiger für EVU. Sie vergleichen Finanzschulden mit erwirtschafteten Cashflows und drücken aus, über welchen Zeitraum die Verschuldung zurückgezahlt werden kann. Ein Beispiel: Im Jahr 2016 deckte der einfache Cashflow der untersuchten EVU im Schnitt rund 28,3 Prozent ihrer Bruttofinanzschulden und lag damit höher als im Jahr zuvor. Hierzu haben steigende Cashflows (plus 4,1 Prozent) aufgrund steigender Betriebsergebnisse und sinkender Finanzierungskosten sowie sinkende Bruttofinanzschulden (minus 2,5 Prozent) beigetragen. Für 2017 ist auf Basis tendenziell konstanter Cashflows und leicht sinkender Bruttofinanzschulden mit einer weiteren Stabilisierung bei 28,4 Prozent zu rechnen.

„Gemessen an den Richtwerten für eine mindestens zufriedenstellende Kreditbonität sind die EVU gut unterwegs“, resümiert Norbert Schwieters. Im Schnitt würden die EVU in Deutschland über ausreichende Grundbonität und Cashflows verfügen, um die aktuellen Verschuldungsniveaus zu tragen.

Die gesamte Studie „Krise abgesagt? Finanzierungsverhältnisse kommunaler Versorger und Konzerne“ steht ⇒hier zum download bereit.

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