openKonsequenz: Aus Konsortium wird Genossenschaft

Seit Dezember 2015 arbeiten Netzbetreiber, IT-Unternehmen und Forschungsinstitute in dem Konsortium openKonsequenz an der Entwicklung innovativer Open-Source-IT-Lösungen für den Netzbetrieb. Um den Innovationsprozess zu beschleunigen, wurde jetzt die Genossenschaft openKonsequenz gegründet.

Die Zusammenarbeit zwischen Verteilungsnetzbetreibern, Software-Herstellern, Forschungseinrichtungen und Netzdienstleistern in dem Konsortium openKonsequenz wird vertieft und auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt: Dazu wurde am 28. November 2017 auf dem Euref-Campus in Berlin die Genossenschaft openKonsequenz gegründet.

Vorstand openKonsequenz, 2017
Der gewählte Vorstand der Genossenschaft openKonsequenz eG (i.G.): Michael Müller, Vorstand Finanzen; Frank Rose, Vorstandsvorsitzender; Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, Vorstand Technik (Quelle: openKonsequenz)

„Der Erfolg der bisherigen Zusammenarbeit macht eine neue Rechtsform erforderlich, um den angestoßenen Innovationsprozess zu beschleunigen“, begründet der neu gewählte Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Frank Rose, Abteilungsleiter Netzführung bei der MVV Netze GmbH, den Schritt. Die Entscheidung für die Rechtsform einer Genossenschaft unterstreicht darüber hinaus das Ziel von openKonsequenz: Das gemeinsame Interesse ist die Entwicklung sicherer und herstellerunabhängiger Software für Netzführung und Netzbetrieb und nicht die Gewinnerzielung, so der Tenor in der Gründungsversammlung.

Die bisherige Zusammenarbeit auf Basis eines Kooperationsvertrages stieß durch das Mitgliederwachstum auch an organisatorische Grenzen. Die Beauftragung von Softwareentwicklungen wird durch die Genossenschaft als juristische Person vereinfacht und rechtlich abgesichert. Zugleich ist die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft, etwa für gemeinnützige Forschungseinrichtungen, leichter zu realisieren als die Beteiligung an einer GmbH.

Gründungsmitglieder von openKonsequenz

Gründungsmitglieder der Genossenschaft sind die Netzbetreiber

  • e-netz Südhessen GmbH & Co. KG
  • EWE Netz GmbH
  • MVV Netze GmbH
  • Netz Leipzig GmbH.

Folgende Software-Hersteller, Dienstleister und Forschungseinrichtungen gehören darüber hinaus zu den Gründern der Genossenschaft:

  • Count+Care GmbH & Co.KG
  • BTC Business Technology Consulting AG
  • DNV GL
  • Mettenmeier GmbH
  • SPIE SAG GmbH
  • Simon Process Engineering GmbH
  • Offis e.V. – Oldenburger Institut für Informatik.

Außer dem Vorstandsvorsitzenden Rose wählte die Gründungsversammlung Michael Müller, Abteilungsleiter Netzführung bei der Netz Leipzig GmbH, zum Vorstand für den Geschäftsbereich Finanzen. Zum Technischen Vorstand wählte die Versammlung Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, Professor für Energieinformatik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Offis-Vorstand.

Antwort auf immer komplexer werdende Anforderungen

Auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages haben bereits seit Dezember 2015 mittlerweile 21 Netzbetreiber, IT-Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Kompetenzen für die Entwicklung notwendiger technischer Innovationen in openKonsequenz gebündelt. Es ist ihre Antwort auf die immer komplexer werdenden Anforderungen der Energiewende und der Digitalisierung an die IT-Landschaft der Verteilungsnetzbetreiber.

Systemvielfalt, komplexe Schnittstellen bei einem quasi nicht vorhandenen Markt für leitsystemnahe Software machen Produktentwicklungen und Produktanpassungen für ein allein agierendes Unternehmen sehr kostenintensiv und schwer beeinflussbar. Hinzu kommt der hohe Kostendruck aus der staatlichen Regulierung auf die Unternehmen.

Software-Lösungen der openKonsequenz sind frei zugänglich

Als Konsortium und nun als Genossenschaft konzipiert openKonsequenz gemeinsam Softwarelösungen und beauftragt die Entwicklung bei etablierten Systemherstellern. Die Lösungen werden als Open-Source-Software dem Markt zur Verfügung gestellt und stehen damit allen Interessierten zur Verfügung.

Entwicklungskosten werden geteilt und kostenintensive Parallelentwicklungen vermieden. Die Verfahrensweise steigert die Herstellerunabhängigkeit und erhöht die Qualität der Softwarelösungen, da sich viele Fachleute unternehmensübergreifend an dem Prozess beteiligen.

Erste Module bereits in Entwicklung

Erste Module wurden bereits entwickelt, zum Beispiel das Modul Einspeisemanagement. Gerade fertiggestellt wurde das Softwaremodul „Betriebstagebuch“. Darin können alle wichtigen Informationen und Vorgänge in Netzführung und Netzbetrieb dokumentiert werden. Bislang wurde dies bei den Netzbetreibern überwiegend handschriftlich oder in mehreren Systemen festgehalten. Das Modul steht beispielhaft für den durch openKonsequenz initiierten Entwicklungsprozess: Gesucht werden modulare Lösungen auf Basis einer einheitlichen Plattform und eines offenen standardisierten Datenmodells.

In der Entwicklung sind weitere Module, zum Beispiel zur Planung und Koordinierung von Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie zur Planung, Administration und Dokumentation von Bereitschaftsdiensten in den Versorgungsnetzen.

„Auch als Genossenschaft bleibt die Zusammenarbeit mit weiteren Interessenten offen“, hebt Müller hervor. Das gelte sowohl für die bisherigen Partner des Konsortialvertrages, die zur Genossenschaftsgründung noch nicht beigetreten sind, als auch für neue interessierte Unternehmen und Einrichtungen.

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