Mit Geschäftsobjekten den Datenaustausch standardisieren

Peter Martin Schroer, ene't
Peter Martin Schroer: Wir definieren zurzeit die Grundlagen, damit künftig Informationen und Daten ohne großen Aufwand strukturiert ausgetauscht werden können.

Seit Juli 2016 entwickeln Softwarehäuser und Dienstleister der Energiebranche einen einheitlichen Kommunikationsstandard für Geschäftsprozesse, der auf Geschäftsobjekten basiert. Ziel ist ein reibungsloser Datenaustausch zwischen beliebigen hausinternen Systemen, statt von Marktteilnehmer zu Marktteilnehmer. Vor Kurzem wurden die ersten Objekte verabschiedet, betont Peter Martin Schroer, Initiator und Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft e. V. sowie Geschäftsführer der Ene’t GmbH, im Interview mit der ew-Redaktion.

Herr Schroer, im Juli 2016 wurde die Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft e. V. gegründet. Wir hatten darüber in der ew 11/2016 ausführlich berichtet. Was hat sich seitdem getan? Wie sind Sie vorangekommen?

Schroer: Wir konnten zum einen weitere Unternehmen von dem Konzept der Geschäftsobjekte für die Energiewirtschaft überzeugen. So sind die Nexiga GmbH, die enPortal GmbH, die Cursor Software AG, die Acxiom Deutschland GmbH und die Preisenergie GmbH Mitglieder der Interessengemeinschaft geworden. Zum anderen haben wir einen wissenschaftlichen Beirat ins Leben gerufen, dem derzeit zwei Hochschulprofessoren angehören: Prof. Jakob Rehof von der TU Dortmund und Prof. Jörg Borchert von der FH Aachen. Damit konnten wir anerkannte Fachleute aus den Bereichen Energiewirtschaft und Softwarearchitektur für unseren Verein gewinnen. Darüber hinaus haben wir bereits die ersten Geschäftsobjekte verabschiedet. Weitere Objekte befinden sich im Standardisierungsprozess und werden demnächst finalisiert.

Sie hatten im November 2016 angekündigt, dass Sie zur E-world erste Anwendungen präsentieren wollen, die mit Geschäftsobjekten umgehen können. Welche Anwendungsfälle gibt es bereits?

Schroer: Wir haben als Ene’t auf der E-world bereits ein Portal vorgestellt, das mit Geschäftsobjekten umgehen kann. Wir preschen hier ein wenig vor, da wir wissen, welche Objekte demnächst verabschiedet werden und was anschließend in der Pipeline ist. Auf dieser Grundlage können wir erste Apps entwickeln und demonstrieren, welche Möglichkeiten sich durch Geschäftsobjekte für die Energiewirtschaft ergeben. Wir zeigen also, wie auf einer solchen Plattform kommuniziert wird und wie Daten und Informationen auf Basis der Objekte ausgetauscht werden können. Ein weiteres Unternehmen aus dem Verein ist hier ebenfalls schon sehr weit. Alle anderen Mitglieder warten noch ab, bis die Verabschiedung weiterer Geschäftsobjekte vorangeschritten ist.

Wann wurden die ersten Objekte verabschiedet?

Schroer: Anfang April 2017 haben wir die ersten Objekte verabschiedet und in den neuen Standard überführt. Dafür haben wir extra ein einheitliches Verfahren definiert. Für die verabschiedeten Objekte werden wir in Kürze Beispieldateien zur Verfügung stellen, damit weitere Unternehmen diese Standards ohne großen Aufwand verwenden können.

Mit welchen Objekten haben Sie begonnen?

Schroer: Die ersten Objekte beschäftigen sich mit den Grundlagen der Energiewirtschaft und den entsprechenden Definitionen: Welche Informationen und Stammdaten werden zu einem Endkunden benötigt, wie ist ein Marktteilnehmer definiert und welche Informationen charakterisieren eine Lieferstelle? Damit schaffen wir die Basis für ein einheitliches Verständnis über die einzelnen Objekte. Diese Feinheiten sind sehr wichtig für einen effizienten Austausch von Daten und Informationen zwischen beliebigen Systemen. So definieren wir zurzeit die Grundlagen, damit künftig Informationen und Daten ohne großen Aufwand strukturiert ausgetauscht werden können, ohne dass individuelle und unternehmensspezifische Sichtweisen berücksichtigt werden müssen.

Welche Objekte werden folgen?

Schroer: Als nächstes soll eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden, die sich mit dem Bereich Angebots- und Preiskalkulation beschäftigt. Ganz wichtig ist auch das Thema Customer-Relation-ship-Management (CRM), also wie Daten und Informationen über potenzielle Interessenten oder Kunden ausgetauscht werden. Das werden die nächsten großen Themenblöcke sein, bevor wir die Bereiche Markt, Marktbeobachtung und Wettbewerberbeobachtung angehen werden. Ich hoffe, dass wir dann zügig diese Objekte definieren können. Ziel ist es, alle zwei Wochen neue Objekte zu verabschieden und diese in den Standard aufzunehmen, sodass wir bis Mitte 2017 schon eine relevante Zahl an Objekten im Standard haben.

Gibt es eine gewisse Schwelle beziehungsweise eine gewisse Zahl an Objekten, die notwendig ist, um Akzeptanz im Markt zu erreichen?

Schroer: Die reine Zahl der Objekte spielt hier nur eine geringe Rolle. Es sind vielmehr die Themen, die über die Akzeptanz im Markt entscheiden. Viele Softwareunternehmen konzentrieren sich auf bestimmte Themenbereiche in der Energiewirtschaft. Zum Beispiel wird ein Softwarehaus, das Lösungen für die Beschaffung anbietet, sich auch erst dann mit den entsprechenden Geschäftsobjekten auseinandersetzen, wenn wir das Thema in der Interessengemeinschaft aufgreifen.

Welche Rückmeldungen haben Sie von den Energieversorgungsunternehmen erhalten?

Schroer: Die Versorgungsunternehmen sind noch zurückhaltend. Das ist aber zum aktuellen Zeitpunkt auch verständlich. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich dies ändern wird, wenn wir eine relevante Zahl an Objekten verabschiedet haben. Dann wird die Aufmerksamkeit auch bei den Versorgungsunternehmen steigen. Entscheidend wird dabei auch sein, dass möglichst viele Softwarehäuser künftig die Geschäftsobjekte nutzen und sie sich so am Markt durchsetzen. Dann werden auch die EVU die Bedeutung und die Vorteile der Geschäftsobjekte im Energiebereich erkennen.

Welche Ziele haben Sie sich für das nächste Jahr gesetzt?

Schroer: Ich hoffe, dass wir in einem Jahr die Zahl der Mitglieder von heute 16 auf über 30 erhöhen können und dass alle Softwarehäuser der Energiebranche wissen, was die Interessengemeinschaft macht, welche Vorteile Geschäftsobjekte haben und wie diese sinnvoll genutzt werden können. Dann werden auch die Energieversorger auf diesen Zug aufspringen und den weiteren Standardisierungsprozess unterstützen. Wenn dann auch schon bei der einen oder anderen Ausschreibung die Standards gefordert würden, wären wir einen großen Schritt weiter bei der Etablierung eines einheitlichen Kommunikationsstandards, der für einen reibungslosen Datenaustausch zwischen beliebigen Systemen sorgt.