BfS untersucht Strahlenschutz beim Stromnetzausbau

Sind mit dem geplanten Ausbau der Stromnetze gesundheitliche Auswirkungen verbunden? Diese Frage will das BfS in einem Forschungsvorhaben beantworten und damit die Debatte über den Stromnetzausbau versachlichen.

Nach derzeitigem Stand gehen von elektrischen und magnetischen Feldern im Umkreis von Hochspannungsleitungen keine direkten Gesundheitsgefahren aus, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Diese sind in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung festgeschrieben. Allerdings liegen laut BfS einzelne wissenschaftliche Hinweise zu gesundheitsrelevanten Wirkungen schwacher niederfrequenter Magnetfelder vor, die jetzt im Rahmen des Forschungsprojekts überprüft werden sollen. Darüber hinaus bestünden wissenschaftliche Unsicherheiten in der Risikobewertung bezüglich statischer elektrischer Felder, wie sie in der Umgebung der geplanten HGÜ-Leitungen vorkommen. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob es einen Zusammenhang dieser Felder mit degenerativen Erkrankungen des Nervensystems oder Leukämie im Kindesalter geben könnte.

BfS Strahlenschutz Stromnetzausbau
Mit dem neuen Forschungsvorhaben will das BfS wissenschaftliche Unsicherheiten beim Strahlenschutz beseitigen und die Diskussion über den Stromnetzausbau versachlichen. (Quelle: BfS)

Unsicherheiten beim Strahlenschutz beseitigen

„Bislang ist ein Zusammenhang von Stromleitungen und gesundheitlichen Belastungen nicht nachgewiesen worden“, betont Inge Paulini, die das BfS seit April 2017 leitet. „Auf dieser Erkenntnis ruhen wir uns aber nicht aus, denn es gibt, wie bei anderen Themen auch, einzelne wissenschaftliche Hinweise zu gesundheitlichen Wirkungen. Wir stellen unsere Erkenntnisse immer wieder neu auf den Prüfstand und gehen neuen Fragen nach, um den bestmöglichen Strahlenschutz zu gewährleisten.“

Insgesamt 35 Vorhaben und Projekte plant das BfS, um in dem 18 Millionen Euro umfassenden Projekt diese Fragen zu beantworten. Folgende Themenfelder werden dabei in dem auf sechs Jahre angelegten Programm untersucht:

  • Niederfrequente Magnetfelder und neurodegenerative Erkrankungen
  • Bestimmung von Wahrnehmungs- und Wirkungsschwellen
  • Leukämie im Kindesalter
  • Kokanzerogenität von Magnetfeldexposition
  • Magnetfeldexposition und Fehlgeburtenrate
  • Auftreten, Ausbreitung, Absorption von Korona-Ionen
  • Exposition und Dosimetrie
  • Risikowahrnehmung und Risikokommunikation

Online-Konsultation zur Versachlichung der Debatte

Um eine möglichst breite Debatte über Strahlenschutzaspekte beim Stromnetzausbau zu ermöglichen, hat das BfS auf seiner Webseite eine ⇒Online-Konsultation zu dem Forschungsvorhaben gestartet. Interessierte haben bis 15. September 2017 die Möglichkeit, die Einzelvorhaben des Programms zu sichten und Stellungnahmen abzugeben. Diese werden im BfS ausgewertet und bei der weiteren Planung des Forschungsprogramms berücksichtigt. Ziel der Online-Konsultation ist es, sämtliche Fragen des Gesundheits- und Strahlenschutzes umfassend zu erörtern und möglichst breit und interdisziplinär auch mit Betreibern und Betroffenen zu diskutieren. Schließlich will das BfS einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte über den Ausbau der Stromnetze leisten.

BfS als Kompetenzzentrum für Strahlenschutz beim Stromnetzausbau

Das Forschungsprogramm ist ein Meilenstein für den Ausbau des BfS als Kompetenzzentrum für den Strahlenschutz beim Stromnetzausbau. Dabei kann die Bundesbehörde auf umfangreiche Erfahrungen bei der Aufklärung über mögliche gesundheitliche Auswirkungen neuer Technologien im Bereich des Strahlenschutzes zurückgreifen. So initiierte das BfS Mitte der 2000er Jahre mit dem Deutschen Mobilfunkforschungsprogramm das bislang weltweit größte Vorhaben auf diesem Gebiet.

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