Echtzeitdaten für ein optimiertes Einspeisemanagement

Tennet und die Unterfränkische Überlandzentrale kooperieren für eine bessere Prognose der Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen. Für den dafür notwendigen Datenaustausch in Echtzeit haben die beiden Unternehmen eine Datenverbindungen über Lichtwellenleiter zwischen Umspannwerken eingerichtet.

Photovoltaik, Stromnetz
(Quelle: Fotolia, weerayut)

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und der Verteilungsnetzbetreiber Unterfränkische Überlandzentrale eG (ÜZ) haben ihre Netzleitsysteme gekoppelt und können so erstmals Erzeugungsdaten aus Photovoltaikanlagen in Echtzeit austauschen. So erhalten beide Netzbetreiber ein klareres Bild über die Solareinspeisung in der unterfränkischen Region. In Kombination mit Wetterdaten für die nächsten Stunden und Tage kann die Einspeisung aus PV-Anlagen treffsicherer prognostiziert und die Netzauslastung optimiert werden.

Echtzeitdaten für sicheren Netzberieb

„Diese Daten-Kooperation ist ein wichtiger Meilenstein bei der Digitalisierung der Stromversorgung. Bei dem partnerschaftlichen Datenaustausch ist die Versorgungssicherheit der Gewinner“, betont Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman, und kündigt weitere Kooperationen dieser Art an. Denn, so Hartman: „Daten helfen allen. Wenn wir über Echtzeitdaten verfügen, können wir die Netze besser steuern. Damit reduzieren Daten den zukünftigen Netzausbaubedarf.“

„Unser Ziel ist es, dezentral erzeugten Strom regional zu vermarkten und mit einem digitalen Energiemanagementsystem auch die Energie- und Stromverbrauchsseite einzubinden“, erklärt Gerd Bock, geschäftsführender Vorstand der Unterfränkischen Überlandzentrale. „Nur so werden die Ziele einer Energieversorgung mit geringeren Treibhausgasemissionen erreicht, die auch die Sektoren Verkehr, Wärme und Stromversorgung umfassen. Der Datenaustausch mit Tennet ist hierbei ein wichtiger Schritt.“

Hochsichere Datenverbindungen zwischen Umspannwerken

Für den Datenaustausch in Echtzeit haben die beiden Unternehmen eine hochsichere Datenverbindungen über direkte Lichtwellenleiter zwischen Umspannwerken eingerichtet. Darüber kommen aus dem Verteilungsnetz der ÜZ anonymisierte Echtzeit-Einspeisedaten der PV-Anlagen in dem Verantwortungsgebiet des Verteilungsnetzbetreibers. Anlagen mit einer PV-Leistung von insgesamt 150.000 Kilowatt sind dort installiert.

Der Verteilungsnetzbetreiber ÜZ erhält Online-Einspeisedaten von einem Teil der in seinem Gebiet installierten Anlagen. Darüber hinaus erhält er von Tennet weitere Daten zur Photovoltaik-Einspeisung in seiner Region. Diese Daten stammen von SMA Solar Technology, von der Tennet bereits seit Längerem aktuelle Erzeugungsdaten aus Photovoltaikanlagen in der Regelzone von Tennet erhält. Nach einer einjährigen Vorbereitungsphase läuft der Datenaustausch zwischen Tennet und dem Verteilungsnetzbetreiber ÜZ seit Januar 2018 erfolgreich.

Zeitnahe Daten werden immer wichtiger

Die zunehmende dezentrale und volatile Erzeugungsleistung in den Spannungsebenen unterhalb der Höchstspannung stellt die für den sicheren Netzbetrieb Verantwortlichen vor neue Herausforderungen, vor allem in Regionen mit hoher Photovoltaik-Durchdringung wie im Netzgebiet von Tennet. Mit dem steigenden Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung werden dezentrale und zeitnahe Daten zur Stromerzeugung immer wichtiger. Mit ihnen können Netzbetreiber deutlich verlässlicher die Einspeisung aus Erneuerbare-Energien-Anlagen prognostizieren. So können die Stromnetz auch bei steigendem Anteil an fluktuierendem Grünstrom sicher betrieben werden.

Tennet verwendet die Echtzeit-Daten zur Solareinspeisung aus dem Verteilungsnetz der ÜZ zur Erstellung gebietsbezogener Hochrechnungen und Prognosen der Solarleistung, für die Vermarktung von EEG-Strom sowie zur Reduzierung des Regelenergiebedarfs und der Verbesserung des Engpassmanagements.