BNetzA: 1,2 Gigawatt für sicheren Netzbetrieb in Süddeutschland

Laut Bundesnetzagentur sind in den süddeutschen Bundesländern Netzstabilitätsanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,2 Gigawatt notwendig. Nur so könne nach dem Abschalten der letzten Kernkraftwerke das Sicherheitsniveau im Netzbetrieb erhalten werden.

Neue Erzeugungsanlagen in Höhe von 1,2 Gigawatt müssen in den nächsten Jahren in den süddeutschen Bundesländern als Netzstabilitätsanlagen (NStA) errichtet werden, um das hohe Sicherheitsniveau im Netzbetrieb erhalten zu können. Dies ist das Ergebnis der Untersuchungen der Bundesnetzagentur, die auf Berechnungen der vier Übertragungsnetzbetreiber basiert.

Die Bundesnetzagentur hat dabei die Bedarfsermittlung der Übertragungsnetzbetreiber vom Februar 2017 überprüft, in der diese eine Vorhaltung von rund 2 Gigawatt für sinnvoll erachtet hatten. Dabei beruhen die Unterschiede zwischen den Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber und der Feststellung der Regulierungsbehörde laut BNetzA nicht auf grundsätzlichen Differenzen, sondern auf modelltechnischen Korrekturen.

Netzstabilitätsanlagen dienen vor allem dazu, das heutige Niveau der Sicherheit und Zuverlässigkeit des Stromversorgungssystems zu erhalten. Dies gilt vor allem für den nach § 13k Abs. 2 Satz 2 EnWG zu untersuchenden Zeitraum zwischen der planmäßigen Abschaltung der letzten Kernenergieanlagen in Süddeutschland in den Jahren 2020 und 2022 bis zur geplanten Vollendung der großen HÜG-Trassen im Jahr 2025. Die Anlagen dürfen dabei nicht am Strommarkt eingesetzt werden. Sie dienen somit nicht dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage.

Netzstabilitätsanlagen sollen Netz nach Ausfällen stabilisieren

Die Anlagen sollen als Betriebsmittel der Übertragungsnetzbetreiber das Netz nach Ausfällen schnellstmöglich wieder in einen sicheren Zustand bringen. Der Neubau ist vor allem im Hinblick auf die Geschwindigkeit sinnvoll, mit der Anlagen reagieren können müssen, wenn Netzelemente ausgefallen sind. Über den Standort der Anlagen enthält der Bericht der Bundesnetzagentur keine Aussagen. Im Grundsatz erweisen sich aus Sicht des Stromnetzes alle auf süddeutsche Netzknoten wirkende Anlagen als geeignet.

Berechnungen auf Basis einer Langfristanalyse

Die Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber bauen auf den Annahmen der Langfristanalyse auf, in der der voraussichtlich erforderliche Bedarf an Redispatch und Reservekapazitäten im Zeitraum 2022/2023 untersucht wurde. Dabei geht es darum, ob das Netz die erwarteten Stromflüsse auch dann noch sicher transportieren kann, falls ein Betriebsmittel ausfallen sollte. Hier wird Redispatch „präventiv“, also bereits vor Eintritt eines Ausfalls eingesetzt. Die Langfristuntersuchungen der Übertragungsnetzbetreiber haben ergeben, dass dieses Sicherheitsniveau mit den im Jahr 2022 zur Verfügung stehenden Anlagen gewährleistet werden kann.

Im Unterschied dazu geht es im vorliegenden Zusammenhang darum, welche Maßnahmen notwendig sind und zur Verfügung stehen, wenn tatsächlich ein Netzelement ausgefallen ist. Die Bedarfsbestimmung betrifft also die notwendigen Anlagen, um das Übertragungsnetz nach konkretem Eintritt eines Fehlers wieder in einen sicheren Zustand zurückzuführen. Dieser Redispatch wird als „kurativ“ bezeichnet.