Arge Ost und 50Hertz präsentieren Lösungen für stabilen Netzbetrieb

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern bei steigendem Anteil erneuerbarer Energien verbessert werden? Entsprechende Lösungen haben die in der Arge Ost zusammengeschlossenen Netzbetreiber mit 50Hertz erarbeitet.

50Hertz, Freileitung
Die in der Arge Ost zusammengeschlossenen Verteilungsnetzbetreiber und 50Hertz stellen konkrete Lösungen für die vier Systemdienstleistungen Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Betriebsführung und Versorgungswiederaufbau vor. (Quelle: 50Hertz)

Bereits im September 2014 hatten sich die in der Arbeitsgemeinschaft der Flächennetzbetreiber Ost (Arge Ost) zusammengeschlossenen 110-kV-Netzbetreiber zusammen mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission auf ein 10-Punkte-Programm zur Weiterentwicklung der Systemdienstleistungen verständigt, um gemeinsam Lösungen für einen stabilen Betrieb der Stromnetze zu entwickeln.

Gut drei Jahre später haben die Unternehmen jetzt einen Zwischenbericht vorgelegt, in dem sie konkrete Lösungen für die vier Systemdienstleistungen Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Betriebsführung und Versorgungswiederaufbau vorstellen. Ziel ist es, die neuen Anforderungen an die Führung der Netze zu meistern und zu trainieren, Informationen effizient zu teilen, die Chancen der Digitalisierung bestmöglich zu nutzen und gemeinsam Prognosen zu verbessern. Darüber hinaus sollen die Vorschläge Grundlage für gemeinsame Pilotprojekte sein.

Pilotprojekt für aktives Blindleistungsmanagement

Aktuell finden erste Pilottests für Lösungsansätze zu den Systemdienstleistungen Frequenzhaltung und Spannungshaltung statt. Zur bedarfsgerechten Erbringung der Systemdienstleistung Spannungshaltung haben die Beteiligten zum Beispiel das „aktive Blindleistungsmanagement“ als gemeinsames Mittel entwickelt und bereits in Teilen umgesetzt. Dabei werden die jeweiligen Spannungsbänder sowohl im Hoch- als auch im Höchstspannungsnetz berücksichtigt. Zur Umsetzung des Konzepts setzen die Verteilungsnetzbetreiber unter anderem eine aktive Blindleistungssteuerung von Erzeugungsanlagen ein, die später auch Verbrauchsanlagen umfassen soll.

Für die Schnittstelle zwischen dem Übertragungsnetz und den Verteilungsnetzen wurden zwischen 50Hertz und den Verteilungsnetzbetreibern vertragliche Vereinbarungen zu definierten Spannungsbändern geschlossen, die mit dem implementierten System eingehalten werden können. Je nach Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers ist der betreffende Verteilungsnetzbetreiber in Abhängigkeit vom verfügbaren Potenzial somit in der Lage, gezielt Blindleistung an einem Netzverknüpfungspunkt oder für eine 110-kV-Netzgruppe bereitzustellen.

Das entwickelte aktive Blindleistungsmanagement stellt jedoch neue Anforderungen an die Netzführung und setzt eine intensive Abstimmung zwischen Übertragungs- und Verteilungsnetzbetreibern voraus. So wurde auch ein Schulungskonzept erarbeitet, um entsprechende Fachkenntnisse zu vermitteln und notwendige Handlungsabläufe aufzuzeigen.

Neues Messkonzept

Perspektivisch wird die dezentrale Erzeugung weiter zunehmen und der Verbrauch wird sich durch die Elektromobilität und andere neue Anwendungen stark verändern. Dies stellt neue Anforderungen an die Netzbetreiber. So werden mehr Messwerte benötigt als derzeit vorliegen, um Prognosen zu verbessern. 50Hertz und die Verteilungsnetzbetreiber der Arge Ost haben sich deshalb auf eine Struktur verständigt, die seit Mitte des Jahres 2016 die Weitergabe der Messwerte von den Verteilnetzbetreibern steuert.

Die Umsetzung des Messkonzepts erfolgt in zwei Phasen: Aktuell werden in der ersten Phase (Basislösung) mindestens 100-PV-Anlagen aus der gesamten Regelzone von 50Hertz gemessen, die in der zweiten Phase (Erweiterung) nach Qualitätsprüfung und -beurteilung auf mindestens 200-PV-Anlagen erweitert werden sollen.

Hat der Anschlussnetzbetreiber die Datenverfügbarkeit bestätigt und den betroffenen Anlagenbetreiber informiert, erhält 50Hertz den jeweiligen Online-Messwert bezogen auf die einzelne repräsentative PV-Anlage als Informationsweiterleitung über Leitstellenkopplung. Sofern verfügbar, bekommt 50Hertz außerdem eine Information zum Anlagenstatus und gegebenenfalls zu laufenden Eingriffen vor allem im Rahmen des Einspeisemanagements. Diese Zusatzinformation ist erforderlich, um die Messwertversorgung der Ist-Hochrechnung im Fall von Eingriffen in den Anlagenbetrieb zu korrigieren.

Arge Ost

In der Arge Ost sind vor allem die 110-kV-Netzbetreiber in Ostdeutschland zusammengeschlossen. Diese sind:

  • Avacon Netz GmbH
  • Edis Netz GmbH
  • Enso Netz GmbH
  • Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom GmbH
  • Stromnetz Berlin GmbH
  • Stromnetz Hamburg GmbH
  • Netze Magdeburg GmbH
  • TEN Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG
  • Wemag Netz GmbH.

Der komplette Zwischenbericht für das 10-Punkte-Programm zur Weiterentwicklung der Systemdienstleistungen kann hier heruntergeladen werden: ⇒ Zwischenbericht Arge Ost