AÜW, Pilotkunde
Günter Mögele aus Wildpoldsried ist der erste AÜW-Blockchain-Pilotkunde. (Quelle: AÜW, Christian Ziegler)

Im Energiemarkt der Zukunft werden Haushalte eine wesentlich aktivere Rolle einnehmen als bisher. Der zunehmende Wandel von reinen Stromverbrauchern hin zu Prosumern und der damit verbundenen stärkeren dezentralen Einspeisung erneuerbarer Energien in niedrigere Spannungsebenen, ist nur eine von vielen Herausforderungen für Energieversorger und Netzbetreiber. Ziel des Projekts von LO3 Energy und Allgäuer Überlandwerk ist daher der Aufbau einer Handelsplattform, auf der Stromerzeuger und Stromverbraucher zusammengebracht werden und untereinander – ohne einen dazwischengeschalteten Energieversorger – Strom handeln können.

Vielzahl von Lieferanten

Statt wie bisher Strom unbekannter Herkunft von nur einem Stromversorger zu beziehen, sollen Haushalte nun aus einer Vielzahl von Lieferanten ihren Strombezug flexibel selbst auswählen können. Auf Erzeugungsseite ist denkbar, überschüssig produzierten Strom nicht wie bisher ins Netz einzuspeisen, sondern diesen lokal an den nächsten Abnehmer, zum Beispiel den Nachbarn, zu verkaufen. Das Vorhaben zwischen AÜW und LO3 Energy ist Teil eines dreijährigen Forschungsprojekts, das sich gerade in der Planung befindet und im ersten Quartal 2018 starten soll.

Blockchain-Technologie liefert den Schlüssel

Den Schlüssel zur sicheren Abwicklung dieser Transaktionen liefert dabei die Blockchain-Technologie. Mit ihr lassen sich bilaterale Handelsgeschäfte dezentral verifizieren – ganz ohne Bank oder Zahlungsdienstleister. “Im ersten Versuch nutzen wir unsere bestehenden Erfahrungen aus dem Allgäu Microgrid, das wir bereits für andere Projekte in Wildpoldsried aufgebaut haben“, erläutert Michael Lucke, AÜW-Geschäftsführer. “Im zweiten Schritt möchten wir den Stromhandel auf unser gesamtes Netzgebiet ausweiten. Denkbar ist dann zum Beispiel, dass ein Landwirt aus Niedersonthofen mit einer großen PV-Anlage seinen überschüssigen Strom an einen Mieter in Kempten verkauft, der bisher keine Möglichkeit hat, gezielt die regionale Ökostromproduktion zu unterstützen.“

Pilotkunden werden ausgewählt

Für den Aufbau dieser Plattform werden Pilotkunden ausgewählt, die mit einem von LO3 Energy entwickelten Smart Meter ausgestattet werden. Über eine darauf zugeschnittene App wird es den Teilnehmern dann ermöglicht, auf der Plattform untereinander mit einer digitalen Währung Strom zu handeln. Dabei sollen die Pilotkunden Präferenzen angeben können, wie sich ihr Strommix, produziert aus lokalen Erzeugungsanlagen, zusammensetzt.

Weiteres Projekt

Ein weiteres Vorhaben in Deutschland ist das Landau Microgrid Project (LAMP), das in Zusammenarbeit mit LO3 Energy, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Energie Südwest AG entstehen soll. Die beiden Projekte stehen in enger Abstimmung und werden die verschiedenen Erkenntnisse untereinander austauschen und voneinander lernen.